© imageBROKER.com / D. Mahlke Broschüre "Lebendige Nacht: Licht aus für unsere Wildtiere" als PDF NATÜRLICHE NACHTDUNKELHEIT – PROBLEM LICHTVERSCHMUTZUNG Zunehmende Lichtverschmutzung Die Nacht ist längst nicht mehr so dunkel, wie früher, denn die künstliche nächtliche Beleuchtung nimmt Jahr für Jahr zu. Rund 80 % der Weltbevölkerung leben mittlerweile unter einem lichtverschmutzten Himmel. Besonders in der Nähe von Städten und Dörfern übersteigt die nächtliche Helligkeit häufig das natürliche Mass. Gartenbeleuchtungen, Werbetafeln oder Scheinwerfer strahlen oft weit in die Umgebung ab und verursachen unnötiges Streulicht. Das beeinträchtigt nicht nur unseren Blick in den Sternenhimmel, sondern hat auch tiefgreifende negative Auswirkungen auf viele Organismen, Lebensgemeinschaften und Ökosysteme an Land und im Wasser. Auswirkungen auf den Biorhythmus Lichtverschmutzung hat weitreichende ökologische Folgen und betrifft zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Künstliches Licht stört den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus, erschwert die Orientierung, beeinträchtigt Fortpflanzung oder Nahrungssuche und zerschneidet Lebensräume. Auch wir Menschen sind betroffen, denn künstliches Licht kann unseren Schlaf und unsere innere Uhr verändern und langfristig sogar unserer Gesundheit schaden. Dunkelheit schützen - Lebensräume erhalten Alle können zum Schutz der Dunkelheit beitragen. Wer auf Dauerbeleuchtung verzichtet und gezielt dunkle Zonen im Garten schafft, hilft mit, diese wichtige Ressource zu fördern. Bewegungsmelder sorgen dafür, dass Licht nur dann brennt, wenn es wirklich nötig ist. Warmweisses Licht ist weniger störend als kaltes, grelles Licht und gezielt nach unten gerichtete Lampen verhindern Streulicht. Auch Licht, das durch Fenster von Gebäuden nach aussen dringt, kann die Dunkelheit beeinträchtigen – deshalb lohnt es sich, nachts Vorhänge und Fensterläden zu schliessen. Durch diese Massnahmen entstehen wieder vermehrt nachtdunkle Gebiete und Korridore, die viele nachtaktive Arten, darunter auch bedrohte, als Lebensräume nutzen können. Broschüre "Lebendige Nacht: Licht aus für unsere Wildtiere" als PDF © Pixabay © Nasa © Elias Bader DIE NACHT ALS LEBENSRAUM Vielfalt in der Nacht Die Nacht ist eine ganz eigene Welt. Sobald die Sonne untergeht, werden viele Wildtiere aktiv. Füchse suchen nach Futter, Igel streifen durchs hohe Gras, Fledermäuse und Eulen jagen lautlos durch die Bäume, Mäuse rascheln im Unterholz und Glühwürmchen leuchten meist unbemerkt in der dunklen Nacht. Die Nacht ist voller Leben. Sie birgt zahlreiche Geheimnisse und bietet spannende Beobachtungen. Heimlich unterwegs Fast alle unsere heimischen Säugetiere sind dämmerungs- oder nachtaktiv. Dazu gehören Igel, Dachs, Fuchs, Siebenschläfer, Steinmarder und natürlich alle Fledermäuse. Auch etwa 70 Prozent der rund 3'700 einheimischen Schmetterlinge, über 2'500 Arten, sind nachtaktiv. Es lohnt sich, in der Nacht genauer hinzuschauen und die Vielfalt zu bestaunen. Lebendige Nacht kennenlernen Die Dunkelheit lädt ein, die Welt neu zu entdecken. Kommen Sie mit auf einen Spaziergang durch die lebendige Nacht und erleben Sie dabei Geräusche, Düfte und Bewegungen intensiver als sonst. Wir stellen Ihnen verschiedene Wildtiere vor, welche auch im Siedlungsraum beobachtet werden können. Wildtiere melden Bild Wenn Sie Wildtiere sichten, können Sie diese auf der Meldeplattform melden und damit einen Beitrag zu deren Schutz leisten. FLEDERMÄUSE © Marko König / swild.ch Elegante Flugkünstlerinnen Fledermäuse sind faszinierende Flugkünstlerinnen. In lauen Sommernächten fliegen sie oft lautlos durch die Gärten. Als einzige Säugetiere beherrschen sie den aktiven Flug und finden sich in der Dunkelheit dank Echoortung erstaunlich präzise zurecht. Dabei senden sie Ultraschalllaute aus, die für unser Gehör nicht wahrnehmbar sind. Anhand des Echos erkennen sie Hindernisse, Beutetiere und Entfernungen. Fledermäuse ernähren sich ausschliesslich von Insekten und können in einer Nacht mehrere Tausend Mücken vertilgen. Warum Dunkelheit wichtig ist In der Schweiz leben rund 30 Fledermausarten. Doch mehr als die Hälfte dieser Arten ist bedroht. Der Rückgang hat viele Ursachen, wie der Verlust von Lebensräumen, der Einsatz von Pestiziden oder die Zerstörung ihrer Quartiere. Besonders problematisch ist die zunehmende Lichtverschmutzung. Viele Fledermausarten meiden hell beleuchtete Bereiche, wodurch für sie der menschlich geprägte Raum immer weniger bewohnbar wird. Besonders lichtempfindliche Arten wie das Braune Langohr geraten dadurch stark unter Druck. Wo man Fledermäuse beobachten kann Auch die Wasserfledermaus ist eine lichtscheue Art. Wie ihr Name vermuten lässt, jagt sie gerne knapp über der Wasseroberfläche. Mit ihren auffallend grossen Füssen fängt sie Insekten wie mit einem Kescher. Wer bei Einbruch der Dunkelheit an Seen oder Flüssen unterwegs ist, kann mit etwas Glück eine Wasserfledermaus bei der Jagd beobachten. Die Zwergfledermaus hingegen ist weit weniger lichtempfindlich und die häufigste Art in der Schweiz. Sie ist kaum schwerer als ein Zuckerwürfel und nutzt Spalten und Hohlräume an Gebäuden als Quartier. Zwergfledermäuse jagen bevorzugt in Gärten oder Parks. GLÜHWÜRMCHEN © Lisa Wirthner Leuchtende Schneckenjäger Glühwürmchen zählen zur Familie der Leuchtkäfer. In der Schweiz sind vier Arten heimisch: das Grosse Glühwürmchen, das Kleine Glühwürmchen, der Italienische Leuchtkäfer und der Kurzflügel-Leuchtkäfer. Ihre Lieblingsnahrung sind Schnecken. Deshalb fühlen sie sich in naturnahen Gärten, wo auf Schneckengift verzichtet wird, besonders wohl. Glühwürmchen halten sich tagsüber gern in Kraut- und Strauchrändern auf. Daher sollten diese möglichst nicht bodentief zurückgeschnitten werden. Warum Dunkelheit wichtig ist Glühwürmchen leuchten dank Biolumineszenz, einer biochemischen Reaktion, welche im Hinterleib der Glühwürmchen stattfindet. Sie leuchten hauptsächlich, um Partner zu finden. Je nach Art leuchten Männchen und/oder Weibchen und signalisieren damit dem Partner den eigenen Standort. Beim Grossen Glühwürmchen, der häufigsten Art im Kanton Zug, leuchten nur die flugunfähigen Weibchen. Durch die Zunahme von Kunstlicht können die Glühwürmchen diese Leuchtsignale oftmals nicht mehr wahrnehmen. Ausserdem weichen Männchen direktem Licht aus und Weibchen, die sich tagsüber zufällig im Bereich einer Lampe platziert haben und hier verharren, sterben nach etwa zwei Wochen meist unverpaart. Erwachsene Käfer leben nämlich nur wenige Wochen und nehmen keine Nahrung mehr auf, da ihre Hauptaufgabe die Fortpflanzung ist. Wo man sie beobachten kann Obwohl das Grosse Glühwürmchen seltener geworden ist, lässt es sich doch immer noch beobachten. Die Leuchtzeit der Weibchen fällt meist in den Zeitraum von Juni bis Juli und dauert etwa vier Wochen. Dabei kann man die Glühwürmchen am besten an dunklen Stellen in Parkanlagen, alten Gärten, an Waldrändern oder in der Nähe von Feuchtgebieten in Bodennähe beobachten. Sie leuchten hauptsächlich von Sonnenuntergang bis etwa Mitternacht. IGEL © Claudia Kistler / stadtwildtiere.ch Raschelnd unterwegs Igel verbringen den Tag gut versteckt etwa in Asthaufen oder unter Hecken und werden bei Einbruch der Dämmerung aktiv. Auf der Suche nach Nahrung legen sie teils mehrere Kilometer zurück und durchstöbern Grünflächen nach Käfern und anderen Insekten. In Siedlungsräumen finden sie heute häufiger einen besser geeigneten Lebensraum als auf intensiv genutzten Landwirtschaftsflächen, wo Rückzugsorte fehlen. Besonders wichtig sind naturnahe Gärten, die für Igel gut zugänglich sind und bei Zäunen und Mauern Durchgänge für sie aufweisen. Doch auch hier gehen die Bestände zurück. Der Igel gilt in der Schweiz seit 2022 und international seit 2024 als «potenziell gefährdet» und ist damit auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten aufgeführt. Warum Dunkelheit wichtig ist Igel bevorzugen dunkle Bereiche und reagieren empfindlich auf grelles Licht. Werden sie von Scheinwerfern erfasst, reagieren sie oft mit Erstarren. Künstliche Beleuchtung kann daher ihre nächtlichen Streifzüge erheblich einschränken. Naturnahe, insektenreiche und möglichst dunkle Lebensräume sind daher entscheidend, damit Igel auch zukünftig im Siedlungsraum vorkommen können. Wo man sie beobachten kann Mit etwas Glück lassen sich Igel auf einem abendlichen Spaziergang durch begrünte Wohngebiete entdecken. Gute Chancen auf eine Begegnung bieten strukturreiche Gärten, Kompostplätze, Ast- oder Laubhaufen, Wasserstellen oder andere insektenfreundliche Orte. Meist verraten sie sich durch leises Rascheln im Gebüsch oder im Gras. NACHTFALTER © Willi Bührer / wildenachbarn.ch Lindenschwärmer Perfekt getarnt Nachtfalter sind Meister der Tarnung. Mit eng am Körper angelegten Flügeln fügen sie sich so gut in die Umgebung ein, dass sie kaum auffallen. Wer jedoch genauer hinschaut, entdeckt eine beeindruckende Vielfalt und Schönheit: Vom Nachtpfauenauge über den Lindenschwärmer bis zur Gammaeule oder dem Blauen Ordensband – die Welt der Nachtfalter ist erstaunlich bunt. In der Schweiz gehören etwa 95 % der rund 3'700 Schmetterlingsarten zu den Nachtfaltern, von denen die meisten nachtaktiv sind. Für viele Pflanzen spielen sie eine wichtige Rolle als Bestäuber Warum Dunkelheit wichtig ist Nachtfalter orientieren sich natürlicherweise am Mondlicht. Künstliche Beleuchtung – etwa durch Strassenlampen, beleuchtete Gebäude, Scheinwerfer oder Flutlichtanlagen – bringt dieses Orientierungssystem aus dem Gleichgewicht. Denn die Falter werden vom Kunstlicht angezogen und umkreisen die Leuchten bis zur Erschöpfung, statt ihre Energiereserven für die Partnersuche und Fortpflanzung zu verwenden. Wo man sie beobachten kann Nachtfalter lassen sich besonders gut an warmen, trockenen Abenden ohne Vollmond beobachten. Wer einen naturnahen Garten hat oder an Waldrändern, Wiesen oder Feuchtgebieten unterwegs ist, kann mit etwas Geduld viele Arten entdecken. WALDKAUZ © Martina Carl Lautlos durch die Nacht Der Waldkauz ist die häufigste Eulenart in der Schweiz. Er ist öfters zu hören als zu sehen. Mit seinem typischen «huhuhuhuu» oder «ku-witt» macht er vor allem im Herbst und Spätwinter während der Balzzeit auf sich aufmerksam. Wie alle Eulen fliegen Waldkäuze nahezu lautlos, denn ihre Federn sind speziell aufgebaut: Der samtartige Flaum der Flügeloberseite und die weiche, fransige Hinterkante der Schwungfedern reduzieren Luftturbulenzen. Die gezackte Vorderkante wirkt wie ein Kamm, der die Luftströme verteilt und so den Lärmpegel senkt. Diese Anpassungen ermöglichen einen nahezu geräuschlosen Flug, der für die nächtliche Jagd unerlässlich ist. Sein ausgezeichnetes Gehör hilft ihm, Beute selbst unter Schnee zu orten. Warum Dunkelheit wichtig ist Als nachtaktiver Jäger ist er sehr gut an das Leben im Dunkeln angepasst. Seine grossen, nach vorn gerichteten Augen ermöglichen räumliches Sehen und nehmen selbst schwaches Licht auf. Künstliches Licht scheint auch für sie ein Störfaktor zu sein, Waldkäuze meiden stark beleuchtete Gebiete und wählen ihre Nistplätze lieber an dunklen Standorten. Wo man sie beobachten kann Waldkäuze sind nicht nur im Wald oder am Waldrand, sondern auch in städtischen Parks und Wohnquartieren mit alten Bäumen zu beobachten. Am Tag verstecken sich Waldkäuze oft in Baumhöhlen oder sitzen manchmal direkt am Eingang, wo sie ruhen oder schlafen. Durch ihre Gefiederfärbung sind sie sehr gut getarnt und fallen selten auf. Ihren Ruf hört man am Abend in Waldrandnähe jedoch regelmässig. . © Nadja Baltensweiler Künstliches Licht - So nicht! © Nadja Baltensweiler Beleuchten mit Mass Tipps für wildtierfreundliche Beleuchtung im Garten Alle können zum Schutz der Dunkelheit beitragen. Wer auf Dauerbeleuchtung verzichtet und gezielt dunkle Zonen im Garten schafft, hilft mit, diese wichtige Ressource zu fördern. Bewegungsmelder sorgen dafür, dass Licht nur dann brennt, wenn es wirklich notwendig ist. Warmweisses Licht ist weniger störend als kaltes, grelles Licht und gezielt nach unten gerichtete Lampen verhindern Streulicht. So entstehen wieder vermehrt nachtdunkle Gebiete und Korridore, die viele nachtaktive Arten, darunter auch bedrohte, als Lebensräume nutzen können.Grundsätze zur Begrenzung von Lichtemissionen im Überblick (7-Punkte-Plan, BAFU): Nur dort beleuchten, wo es wirklich notwendig istVermeiden Sie überflüssige Beleuchtung. Licht sollte nur eingesetzt werden, wo es aus Sicherheits- oder Nutzungsgründen wirklich gebraucht wird – auf dekorative Beleuchtung von Hausfassaden oder Bäumen kann verzichtet werden. Dunkle Zonen erhaltenUnbeleuchtete Bereiche im Garten bieten einen wichtigen Rückzugsraum für lichtempfindliche Tiere. Hecken, Sträucher oder Bäume helfen zusätzlich, störendes Fremdlicht abzuschirmen. Keine DauerbeleuchtungLassen Sie Licht nur dann brennen, wenn es gebraucht wird. Nutzen Sie Bewegungsmelder, Zeitschaltuhren oder manuelle Schalter. Die Leuchten sollten nicht die ganze Nacht brennen: Auf dauerhaft leuchtende Solarlichter oder beleuchtete Werbung sollte der Umwelt zuliebe verzichtet werden. Licht gezielt einsetzenAchten Sie auf eine präzise Platzierung Ihrer Leuchten: Nur der tatsächlich benötigte Bereich soll erhellt werden – ohne Streulicht in die Umgebung. Helligkeit reduzierenViele Lichtquellen sind viel heller als nötig. Eine geringere Lichtstärke reicht oft völlig aus, reduziert den Energieverbrauch und schont gleichzeitig Tiere und Umwelt. Von oben nach unten beleuchten, seitlich abschirmenLeuchten sollten immer nach unten ausgerichtet sein, damit kein Licht in den Himmel abstrahlt. Mit seitlichen Blenden lässt sich zusätzliches Streulicht in angrenzende Bereiche vermeiden. Die Leuchten sollten so abgeschirmt sein, dass die Lichtquelle nicht sichtbar ist. Warmweisses Licht verwendenSetzen Sie auf warmweisse LEDs mit weniger als 3000 Kelvin. Sie stören nachtaktive Tiere weniger als kaltweisses Licht und ziehen weniger Insekten an.